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Die Weidemannsammlung im Pfarrhof von Ringebu


Die Weidemannsammlung enthält insgesamt 42 Werke des Kunstmalers Jakob Weidemann, eines der bekanntesten bildenden Künstler von Norwegen. Die Sammlung ist jetzt im Besitz des Kunstmuseums Lillehammer, und eine Auswahl der Gemälde ist jeden Sommer im Pfarrhof von Ringebu ausgestellt. Im Sommer 2007 werden unter Anderem auch Arbeiten der Künstlerfamilie Hald gezeigt.

Die Sammlung der Bilder von Jakob Weidemann zeigt Arbeiten der meisten Perioden seines vielseitigen künstlerischen Schaffens, wobei die ältesten aus seiner Zeit als Student Anfang der 1940er Jahre stammen. Hier kann man Bilder von seiner ersten Ausstellung (Galerie Blomquist 1946) bewundern – abstrakte Figuren und Landschaften in kräftigen Farben und kontrastreichen Kompositionen. Aus der gleichen Zeit gibt es auch einige rein abstrakte, von Picasso inspirierte Arbeiten, während die 1950er Jahre hauptsächlich mit seinen charakteristischen Stilleben und einigen schönen Landschaften von Norwegen, Italien und Frankreich vertreten sind. Eine in der Kunst von Weidemann wichtige Gemäldeserie sind die so genannten „Waldbodenbilder“ aus den frühen 1960er Jahren - abstrakte, naturlyrische Kompositionen mit dunklen, pastos aufgetragenen Farbflächen. Diese sind in der Sammlung mit charakteristischen Werken des Künstlers vertreten, außerdem wird ein Temperagemälde aus derselben Zeit gezeigt. Das Hauptgewicht der Sammlung bilden indessen die leicht als Gemälde von Weidemann erkennbaren Arbeiten aus den 1980er und 1990er Jahren. Vermutlich verbinden die meisten Leute diese lichtschimmernden, abstrakten Kompositionen mit dem Künstler.

Link zu unserer Fotogalerie über einige der Kunstwerke von Jakob Weidemann.

Jakob Weidemann (1923-2001)
Jakob Weidemann gilt als einer der bedeutendsten Kunstmaler Norwegens der modernistischen Tradition der Nachkriegszeit. Er war einer von mehreren jungen Künstlern, die sich in der kulturellen Leere der Nachkriegszeit von der traditionellen figurativen Malerei, die bis damals in der norwegischen bildenden Kunst völlig dominierend war, distanzieren wollten. Diese Gruppe holte sich die Impulse vom Modernismus in Europa, und Weidemann experimentierte viele Jahre hemmungslos mit malerischen Gestaltungsmitteln. Besonders großen Einfluss übte die abstrakte französische Malerei auf seine reife Formsprache aus, er selbst hat jedoch mitgeteilt, dass er sich in den ersten Jahren bei allen bedient habe, die seiner Meinung nach dazu beitragen konnten, seinen Bedarf, sich künstlerisch auszudrücken, zufrieden zu stellen. Weidemann änderte daher seinen Malstil und seine Formsprache mehrmals in einer scheinbar rastlosen Suche. Er wechselte unbeschwert zwischen kraftvollen figurativen Bildern und rein abstrakten Kompositionen, und es ist nicht schwer, die Vorbilder in seinen Arbeiten aus dieser Zeit auszumachen (u. A. die beiden Norweger Kai Fjell und Arne Ekeland, die Künstlergruppe COBRA und ganz besonders Pablo Picasso).

Seine eigene und besondere „Stimme“ fand er vielleicht erst mit der großen Gemäldeserie „Waldbodenbilder“, mit der er im Jahre 1956 begann. Hier begegnet man einem Künstler, der zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist und seinen Blick buchstäblich hinein in die norwegische Landschaft gerichtet hat. Die Bilder bestehen aus großen, reinen Farbflächen in tiefen, satten Farbtönen. Es dreht sich hier um teilweise große, schwere Gemälde, bei denen die Farbe in dicken Schichten mit dem Palettenmesser und anderen groben Werkzeugen aufgetragen ist. Jakob Weidemann wurde schon als junger Mann für seine künstlerische Begabung anerkannt, und er erzielte früh eine führende Position im Kreis der jungen Künstler. Mit seiner Ausstellung „Waldbodenbilder“ im Jahre 1961 im Kunstnernes Hus (Haus der Künstler) in Oslo wurde er plötzlich zum Erneuerer der norwegischen Kunst. Diese Ausstellung wird daher von vielen Leuten als der große Durchbruch der abstrakten Malerei in Norwegen bezeichnet.

1965 erhielt Jakob Weidemann den Auftrag, die Kirche in seinem Heimatort Steinkjer auszuschmücken. An der Altarwand malte er eine große abstrakte Dekoration mit breiten, ausfließenden Pinselstrichen und rinnender Farbe. Außerdem gestaltete er die Entwürfe für die elf großen Glasmalereien der Kirche, die von Annar Millidahl ausgeführt wurden.

Vermutlich trug die Arbeit mit den Glasmalereien wesentlich zur Änderung des Malstils der folgenden Jahre bei, in denen die malerische Darstellung des Lichts das vordringlichste Ziel des Künstlers wurde. Wie in den Waldbodenbildern war die Natur immer noch seine wichtigste Inspirationsquelle, von da an ist es jedoch eher die von Licht durchströmte Natur, mit der er sich beschäftigt. Weidemann betonte oft die besondere Faszination, die für ihn von der magischen Wirkung ausging, die das Lichts im Frühling auf alles Leben hat, und vor allem das Streben der zerbrechlichen Feldblumen zum Licht fing sein Interesse. In seiner Huldigung eines anderen großen Malers des Lichts, des berühmten griechisch-spanischen Malers El Greco, teilt er Folgendes mit: „Das Licht ist frei und rein, weder verbraucht noch unterdrückt. Es ist jederzeit neu.“

Jakob Weidemann war unehelich geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Während des Kriegs war er im norwegischen Widerstand, wurde verhaftet und musste nach Schweden fliehen. Hier wurde er Opfer eines Unfalls, der wie er es selbst ausdrückte, große Bedeutung für seine spätere künstlerische Entwicklung hatte. Das Detonieren einer Sprengladung führte zur seiner Blindheit. Erst nach einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus und drei Operationen konnte er wieder sehen, aber nur auf dem linken Auge. Die Zeit als Blinder hatte tiefe Spuren hinterlassen und war vermutlich von entscheidender Bedeutung für die Richtung, in die seine Kunst später gehen sollte – nämlich in Richtung „einer Explosion von Farbe und Licht“. Einem seiner Bilder, das er gegen Ende seines Lebens malte, gab er den Titel „Das Auge in der Natur“. Das ist natürlich ein vieldeutiger und poetischer Titel, aber es wäre naheliegend, ihn in Beziehung zu dem verlorenen Auge des Künstlers zu setzen.

In vielerlei Hinsicht war Jakob Weidemann ein einsamer Wolf im norwegischen Kulturleben – eigenwillig von Natur und kompromisslos in seiner Kunst. Er war einer der äußerst wenigen wirklichen Avantgardisten von Norwegen und wurde schon früh von der Kulturelite des Landes an die Brust gedrückt. Trotzdem war er als Mensch auffallend ungekünstelt. Man meint zu wissen, dass er lieber mit „normalen Leuten“ verkehrte als mit der snobistischen Kulturelite. Dies kann vielleicht dazu beitragen, das scheinbare Paradox zu erklären, dass der Unruhestifter Weidemann einer der beliebtesten Künstler wurde.

1968 ließ sich der Maler mit seiner Frau Anne auf dem Hof Ringsveen in Lillehammer nieder. 1999 übertrug Weidemann den Hof als Schenkung auf die Stiftung Ringsveen, die ihn seither verwaltet. Weidemanns ausdrücklicher Wunsch war die Nutzung des Hofes als Aufenthalts- und Arbeitsort für junge Künstler.


Ausstellungen


Jakob Weidemann war während seiner ganzen Künstlerkarriere aktiv und sehr beliebt, und er stellte sowohl in Norwegen als auch im Ausland aus. Unter den größeren Einzelausstellungen ist Paris 1963 zu nennen, 1966 vertrat Weidemann Norwegen an der Biennale in Venedig, 1984 stellte er in New York und 1986 in Berlin aus. Hier in Norwegen war er 1965 und 1973 Festspielkünstler bei den Musikfestspielen in Bergen, große Ausstellungen hatte er auch 1970, 1975, 1982 und 1996 im Henie-Onstad-Kunstzentrum in Bærum, in der Nähe von Oslo.


Ausschmückungen


Er führte auch mehrere große Ausschmückungsarbeiten aus, u. A. in der Kirche in Steinkjer (1965), im Freilichtmuseum Maihaugen in Lillehammer (1967) und in der Alfaset Kapelle in Oslo (1971).

Jakob Weidemann in norwegischen Museen
Neben der großen Sammlung im Kunstmuseum in Lillehammer gibt es Gemälde von Weidemann in mehreren norwegischen Museen:

Im Museum für Gegenwartskunst (Oslo) können 19 Arbeiten, u. A. Gemälde aus der Jugendzeit und einige Arbeiten aus den 1950er Jahren besichtigt werden.

Das Henie-Onstad-Kunstzentrum (in Bærum) hat mehrere bedeutende Gemälde von Weidemann, u. A. ein Hauptwerk der „Waldboden-Periode“ und einige Gemälde aus den 1960er Jahren. Auch eine Arbeit seiner letzten Jahre – „Blaue Raserei“ - ist in diesem Museum ausgestellt.

Das Stenersenmuseum (in Oslo) ist im Besitz von mehreren der frühen Arbeiten des Künstlers. Die Kunstsammlung des Museums basiert auf der großzügigen Schenkung von Rolf Stenersen an die Stadt Oslo. Rolf Stenersen war ein guter Freund und der Mäzen von Jakob Weidemann.

Auch das Astrup Feranley Museum (in Oslo) stellt ein wichtiges Gemälde von Weidemann aus.

 

 

 

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